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FuĂverkehr
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Contents
⢠Zu den Begriffen
⢠Deutschland
⢠Ăsterreich
⢠Schweiz
⢠Literatur
⢠Medien
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Zu den Begriffen
FuĂgeher ist ein allgemeiner Ausdruck, wie er auch auf Spaziergeher und Wanderer angewendet werden kann. Auch Rollstuhlfahrer bezeichnen Nicht-Rollstuhlfahrer als FuĂgeher.
⢠Unter FuĂgänger wird im juristischen Sinne ein Verkehrsteilnehmer verstanden, der keinerlei technisches Verkehrsmittel benutzt. Dabei wird keine Unterscheidung zwischen einem gehenden und einem laufenden FuĂgänger gemacht. Es ist einem FuĂgänger auch erlaubt, Lasten mit einem Handwagen oder StoĂkarren zu transportieren. Wer ein Fahrrad schiebt, ist ebenfalls FuĂgänger. Seit dem 1. April 2013 wird in der deutschen StVO im Sinne einer geschlechtsneutralen Sprache von zu FuĂ Gehenden gesprochen.cite-ref-1[1]
⢠Der Begriff Passant bezeichnet einen FuĂgänger in einer spezifischen Rolle.
FuĂverkehr ist allgemein der Teil des Transportwesens und der ReiseÂtätigkeit, der ohne Verkehrsmittel stattfindet.
⢠Im rechtlichen Sinne ist er das ZurĂźcklegen von Wegen auf Ăśffentlichen StraĂen, Wegen und Plätzen. Zum FuĂverkehr zählt heute jede Bewegung aus eigener Kraft ohne technische Hilfsmittel, die rechtlich als Fahrzeug gelten oder mit Fahrzeugen, die ausdrĂźcklich nicht am StraĂenverkehr teilnehmen dĂźrfen.
Aus dem Lateinischen stammt der Ausdruck per pedes, welcher zumindest im deutschsprachigen Raum noch weit verbreitet ist und âzu FuĂâ bedeutet.
Kultur- und Verkehrsgeschichte des Gehens
Militärisches FuĂvolk
Mit den aufkommenden GroĂreichen, als zum ersten Mal grĂśĂere Heere aufgestellt wurden, mussten Armeen zu FuĂ gehen, da es logistisch nicht mĂśglich gewesen wäre, jeden Soldaten mit einem Pferd auszustatten. FuĂheere, später Infanterie genannt, konnten mit voller Montur bis zu 30 km am Tag zurĂźcklegen.
Gehkultur und Gehen als Freizeitbeschäftigung
In der bĂźrgerlich-industriellen Gesellschaft entwickelten sich das Spazieren und das Flanieren als Freizeitbeschäftigungen. Wie schon seit Jahrzehnten in den USA, verschwand nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Europa der FuĂgänger auĂerhalb der Stadtzentren zunehmend aus dem Verkehrsleben. Diese Beobachtung veranlasste W. Wehap in den âGrazer Beiträgen zur europäischen Ethnologieâ zur Feststellung, dass das Gehen nicht mehr âdie selbstverständliche Art der Fortbewegung fĂźr die Massenâ werden wĂźrde, dennoch aber eine Renaissance unter anderen Vorzeichen erlebe, wobei er die FuĂgänger zu einem selbstbewussten Auftreten ermutigt.cite-ref-3[3]
S. A. Warwitz sieht eine zunehmende RĂźckgewinnung des FuĂverkehrs auf sportlichem Gebiet, die von einem wachsenden Gesundheitsbewusstsein und von spielerischen Interessen motiviert ist:cite-ref-4[4] Die Ăśffentlichen Wege werden in steigendem MaĂe von allen Altersgruppen zum Joggen, Woggen, Nordic Walken, Wandern, Marschieren, Skaten oder Rollern genutzt. Die âGehkulturâ befindet sich damit nach Warwitz nicht in einer Untergangsphase, sondern in einem Wandlungsprozess, bei dem neue Betätigungsformen entdeckt werden. Diese Entwicklung zu einer neuen âFuĂläufigkeitâ wird von Schulbeginn an gefĂśrdert, denn zur Wiederentdeckung der Gehkultur schon durch die Kinder gehĂśren neben dem physischen Element auch das gemeinsame Erleben und die Kommunikation mit den Gleichaltrigen im âSchritttempoâ auf dem Schulweg und bei kindgemäà organisierten Klassenwanderungen.cite-ref-5[5]
siehe auch:
⢠Flâneur dâOr
FuĂgänger im Ăśffentlichen Verkehrsraum
Die Nutzung des Verkehrsraums spiegelte immer auch das Verhältnis von oberen und unteren Gesellschaftsschichten wider, denn in den Kutschen saĂ die Herrschaft. Aufklärung und FranzĂśsische Revolution brachten auch eine Emanzipation des FuĂgängers und eine BlĂźtezeit der FuĂreisen und des Flanierens. Im Paris von 1789 entstand die Idee einer Republik der FuĂgänger. Der BĂźrgersteig war Teil des Rufes nach BĂźrgerrechten und einer Emanzipation des BĂźrgertums (deswegen heiĂt er auch BĂźrgersteig).
Die BlĂźtezeit der Gehwege kam mit der finanziellen MachtĂźbernahme des BĂźrgertums. Gerade der grĂźnderzeitliche Städtebau war gekennzeichnet durch breite Gehwege. âImmerhin sollten in GroĂstädten im Interesse grĂśĂerer Bequemlichkeit des Publikums und zur Erschwerung der Tätigkeit der Taschendiebe BĂźrgersteige unter 4 m Breite nicht mehr angelegt werdenâ, schrieb Brix 1909. Der Gehweg war wichtiger Bestandteil der StraĂenraumgestaltung, dabei war die MaĂstäblichkeit von StraĂe und Bebauung Voraussetzung und MaĂ des Städtebaus. Boulevards und Promenaden waren Ausdruck des gewonnenen Selbstvertrauens. Nach StĂźbben sollte, wenn mĂśglich, der Fahrweg auf die Hälfte der StraĂenbreite eingeschränkt werden, und die BĂźrgersteige sollten somit jeweils ein Viertel der StraĂenbreite ausmachen. âDiese Anordnung verbindet mit der ErmäĂigung der Anlagekosten ein freundliches Aussehen.â (cite-ref-6[6])
FuĂverkehr im städtischen Raum
â
Hauptartikel
:
FuĂgängerfreundlichkeit
und
FuĂgängersicherheit
StraĂen wurden von jeher von verschiedenen Verkehrsarten genutzt und von vielfältigen Nutzungen geprägt. Neben Transport fanden Handel, Handwerk, Freizeitbeschäftigungen und Kommunikation auf der StraĂe statt, die StraĂe war eine Erweiterung des Wohn- und Arbeitsraums. Mangels anderer geeigneter Orte werden fĂźr FuĂgänger geschaffene Flächen in GroĂstädten zum Aufenthalts- und Aktionsraum von Jugendsubkulturen.
Dort, wo es Konflikte mit dem Fuhrwerks- oder Reiterverkehr gab, wurden schon frĂźhzeitig Gehwege eingerichtet. BĂźrgersteige, wie auch FuĂgängerĂźbergänge wurden im rĂśmischen StraĂenbauwesen entwickelt. Letztere waren, in Form von Trittsteinen ausgefĂźhrt, wie alle Verkehrssysteme im ganzen RĂśmischen Reich, auf eine Normspurbreite ausgelegt.
Je enger der StraĂenraum war und je mehr Verkehr sich darin abspielte, umso grĂśĂer waren die Konflikte. 1563 bat das Parlament in Frankreich den KĂśnig vergeblich, er mĂśge Fahrzeuge auf den Pariser StraĂen verbieten. Goethe beschrieb in âItalienische Reiseâ eine Kutschfahrt durch Neapel: âDer Fahrende schreit unaufhĂśrlich âPlatz, Platz!â, damit Esel, Holz oder Kehricht tragende, entgegenrollende Kaleschen, lastschleppende oder freiwandelnde Menschen, Kinder und Greise sich vorsehen, ausweichen, ungehindert aber der scharfe Trab fortgesetzt werde.â (Goethecite-ref-7[7])
FuĂgänger- und Kraftverkehr
Mit dem Aufkommen des Automobils als Massenfortbewegungsmittel wurden die FuĂgänger seit Anfang des 20. Jahrhunderts in ihren BewegungsmĂśglichkeiten eingeschränkt. Im Sinne einer autogerechten Stadt wurden sie durch StraĂenverordnungen vielerorts auf die FuĂgängerwege (Gehweg, BĂźrgersteig oder Gehsteig) verbannt.
In den 1970er-Jahren entstanden in vielen europäischen Innenstädten FuĂgängerzonen. Zur Vereinfachung der Ăberquerung von vielbefahrenen VerkehrsstraĂen wurden vielerorts FuĂgängerbrĂźcken und FuĂgängerunterfĂźhrungen eingerichtet.
Ab den 1980er-Jahren wurde die FuĂgängersicherheit ein wichtiges Kriterium bei der Planung und AusfĂźhrung von StraĂenbaumaĂnahmen. Interessengruppen und Stadtplanern bemĂźhen sich, Raum fĂźr den FuĂgänger zurĂźckzugewinnen. In Gebieten ohne ausreichenden Ăśffentlichen Nahverkehr wird das Automobil als unerlässliches Verkehrsmittel angesehen und die Verkehrsplanung nimmt in ländlichen Gebieten kaum RĂźcksicht auf die BedĂźrfnisse von FuĂgängern.
Die Benutzung der Fahrbahnen durch FuĂgänger war frĂźher selbstverständlich und wurde sogar ausdrĂźcklich z. B. in der Wegeverordnung fĂźr WestpreuĂen von 1905 erwähnt:
âFahrwege dĂźrfen von jedermann zum Gehen, Reiten, Radfahren, Fahren und zum Viehtreiben, Radwege nur zum Radfahren, FuĂwege, unbeschadet privatrechtlicher Befugnisse zu einer anderweitigen Nutzung, nur zum Gehen benutzt werden.â
â
Wegeordnung fĂźr die Provinz WestpreuĂen
Mit dem Aufkommen des Automobils setzte eine Verdrängung der FuĂgänger von der StraĂe ein. âVon allen Seiten, an jedem Ort und zu jeder Zeit fährt die Hupe des Automobils in der GroĂstadt auf Ihre Opfer los.â (Pidoll, 1912cite-ref-9[9]) Trotz geringer Geschwindigkeiten (erlaubt waren 1910 in PreuĂen 15 km/h) kam es zu Unfällen. In Berlin mit insgesamt weniger als 6000 Automobilen ereigneten sich von Oktober 1910 bis Ende September 1911 insgesamt 2851 Automobilunfälle, von denen 67 tĂśdlich verliefen.
Bierbaum schrieb in seinem Reisebericht von 1902cite-ref-10[10]: âNie in meinem Leben bin ich so viel verflucht worden, wie während meiner Automobilreise im Jahre 1902. Alle deutschen Dialekte von Berlin an Ăźber Dresden, Wien, MĂźnchen bis Bozen waren daran beteiligt und alle Mundarten des Italienischen von Trient bis nach Sorrent â gar nicht zu rechnen die stummen FlĂźche, als da sind: FäusteschĂźtteln, Zunge herausstrecken, die Hinterfront zeigen und anderes mehr.â
Sowie Rudolf Diesel 1905cite-ref-11[11]: âNein, was machten wir bei unserem Abschied aus Italien fĂźr einen Staub. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben nicht wieder erlebt. Mehliger Kalkstaub lag fĂźnf Zentimeter dick auf der StraĂe. Darauf jagte Georg, was der Wagen hergab, durch das Tal der Piave, und hinter uns breitete sich ein ungeheurer Kegel aus. ⌠Wir entsetzten die FuĂgänger wie mit einem Gasangriff, ihre Gesichter verzerrten sich, und wir lieĂen sie zurĂźck in einer formlos gewordenen Welt, in der weithin Feld und Baum unter einer trockenen Puderschicht alle Farbe verloren hatten.â
In den 1920er Jahren starben in den USA etwa 17.000 bis 18.000 Menschen jährlich durch Autounfälle. Dreiviertel von diesen waren FuĂgänger. Die Hälfte der FuĂgänger waren Kinder. Die Ăffentlichkeit war entsetzt und die Opfer wurden mit aufwendigen Trauerfeiern geehrt. Infolge dieser Nutzungskonflikte wurden Anti-Auto-Vereine gegrĂźndet und Städte begannen, Verkehrshindernisse wie beispielsweise Schwellen in die Fahrbahn einzubauen. 1923 wollte man Cincinnati die HĂśchstgeschwindigkeit von Autos technisch begrenzen. Diese Entwicklungen lĂśsten bei Autofahrern und -Herstellern Besorgnis aus und in einer Gegenbewegung wurde durch US-amerikanische Fahrervereine, Fahrzeugbauer und Automobilhandel der Verein âMotordomâ gegrĂźndet, mit dem Ziel, die Automobilisierung zu fĂśrdern und auf den Gesetzgeber entsprechend einzuwirken. Durch zahlreiche PR- und LobbymaĂnahmen bewirkte Motordom eine grundsätzliche Umdeutung der seit Jahrtausenden bestehenden Verhältnisse, wonach StraĂen auf ihrer gesamten Breite fĂźr die MobilitätsbedĂźrfnisse Aller zur VerfĂźgung standen.
Motordom erfand dabei den einprägsamen Kampfbegriff des âJay-Walkingâ, dessen Bekämpfung sich der Verein auf die Fahne schrieb. Jay bedeutet âunerfahrenâ, wurde aber auch generell mit der einfachen LandbevĂślkerung in Verbindung gebracht. Nach der Lesart von Motordom waren zwar auch die Fahrer an Unfällen schuld, hauptsächlich und vor allem jedoch unerfahrene âLandeierâ, die gedankenlos vor das Auto liefen. Auch lieĂen nur verantwortungslose Eltern ihre Kinder in die Nähe von StraĂen. Dass die StraĂen seit Jahrtausenden auch FuĂgängern und spielenden Kindern zur VerfĂźgung gestanden hatten, wurde geflissentlich ignoriert. Durch Lobbyarbeit sowie Flyer- und Plakatkampagnen setzte bald ein Umdenken bei den politisch Verantwortlichen ein. Viele Städte in den USA erlieĂen nun Verordnungen gegen das âJay-Walkenâ und setzten hohe Strafen fest.cite-ref-12[12]cite-ref-13[13] Die USA nahmen als Land mit dem grĂśĂten Motorisierungsgrad eine Vorreiterrolle in der Welt ein. Bald wurden ähnliche Regelungen in vielen anderen Ländern der Welt erlassen, in Deutschland 1934 mit der Reichs-StraĂenverkehrsordnung.
Diese regelte erstmals fĂźr das gesamte Reichsgebiet den StraĂenverkehr. âIst eine StraĂe fĂźr einzelne Arten des Verkehrs erkennbar bestimmt (FuĂweg, Radfahrweg, Reitweg), so ist dieser Verkehr auf den ihm zugewiesenen StraĂenteil beschränkt, der Ăźbrige Verkehr hiervon ausgeschlossen.â Innerhalb von wenigen Jahrzehnten hatte sich das Auto durchgesetzt, welches zu Anfang des 20. Jahrhunderts noch als Eindringling in die damals vielfältig genutzten StraĂenräume der Städte wahrgenommen worden war. FuĂgänger durften nur noch den ihnen zugewiesenen Teil der StraĂe benutzen.
Die Zielsetzung der Reichs-StraĂenverkehrsordnung war in der Präambel beschrieben: âDie FĂśrderung des Kraftfahrzeugs ist das vom Reichskanzler und FĂźhrer gewiesene Ziel, dem auch diese Verordnung dienen soll.â
Mit der steigenden Motorisierung nach dem Zweiten Weltkrieg â 1953 gab es in Deutschland wieder knapp 1,2 Millionen Personenkraftfahrzeuge â wurde in der neuen StraĂenverkehrs-Ordnung (StVO) von 1953 die MĂśglichkeit zum Gehwegparken explizit aufgenommen, um, wie es in der BegrĂźndung hieĂ, die bisher in der Rechtsprechung nicht einheitlich beantwortete Frage des Parkens auf Gehwegen nun gesetzlich zu regeln.
In der Neufassung der StVO von 1970 wurde die MĂśglichkeit zur Einrichtung gemeinsamer Rad- und FuĂwegen aufgenommen. 1964 wurde der Vorrang der FuĂgänger an Zebrastreifen in der StVO aufgenommen. Es kam zur Errichtung von FuĂgängerzonen (in eng begrenzten Revieren) und zur EinfĂźhrung von verkehrsberuhigten Zonen.
Das Konzept des Shared Space sieht verschiedene MaĂnahmen zur Gestaltung des Ăśffentlichen Verkehrsraums vor, die wieder eine gemeinsame und sichere Nutzung der Flächen durch alle Verkehrsteilnehmer ermĂśglichen sollen. Umgesetzt wurde es bislang nur in wenigen Städten und Gemeinden.
Daten zum FuĂverkehr
Heutige Bedeutung des FuĂverkehrs
Die Bedeutung des FuĂverkehrs im Verkehrsgeschehen hat im späten 20. Jahrhundert stark abgenommen. Wurden beispielsweise in Westdeutschland 1972 noch 33 % aller Wege ausschlieĂlich zu FuĂ zurĂźckgelegt, waren es 1982 noch knapp 30 %. Im 21. Jahrhundert hat er sich allerdings stabilisiert. Nach den Erhebungen zur Mobilität in Deutschland hatte er 2002 einen Anteil von 23 %, 2008 einen Anteil von 24 % und 2017 einen Anteil von 22 %cite-ref-14[14]. Jena â eine âStadt der kurzen Wegeâ â hat eine Spitzenposition inne im Anteil der FuĂgänger am Gesamtverkehr (40 Prozent, 2023cite-ref-15[15]; mit steigender Tendenz seit 2003) und liegt in Sachen FuĂverkehrsfreundlichkeit auf dem 2. Platz.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17] Wenn nur die Verkehrsmittelwahl in den Städten seit 1972 betrachtet wird, ist die Veränderung besonders deutlich (siehe Abbildung Städtepegel). Sowohl in der DDR als auch in der BRD wurden vergleichbare Untersuchungen zur Verkehrsmittelwahl durchgefĂźhrt. War der FuĂverkehr bis Mitte der 1960er-Jahre in den Städten die dominierende Verkehrsart, hat der Anteil der FuĂwege seitdem deutlich abgenommen.
Die Ursachen fßr den Rßckgang im späten 20. Jahrhundert sind vielfältig:
⢠Veränderte Siedlungsstrukturen: Häufig waren die Siedlungsstrukturen auf die fast ausschlieĂliche Erreichbarkeit mit dem Kraftfahrzeug ausgelegt. Die Ziele waren in die Ferne gerĂźckt. Lebensmittelgeschäfte, die frĂźher zu FuĂ erreichbar waren, mussten mit dem Kraftfahrzeug angefahren werden, weil die Nahversorgung immer mehr ausgedĂźnnt wurde.
⢠Die Zentralisierung Ăśffentlicher Einrichtungen wie Schulen fĂźhrte zu weiteren Wegen: der Begleitverkehr nahm zu. Beispielsweise legten 2017 Kinder zwischen 7 und 10 Jahren 35 % ihrer Wege zu FuĂ zurĂźck, dagegen 41 % als Beifahrer in Kraftfahrzeugencite-ref-18[18]. Der Bring- und Holdienst der Eltern mit dem Auto (âElterntaxiâ) hatte erhebliche Dimensionen angenommen.
⢠Veränderte Lebensstile und Werte: Mobilitätskultur beschränkte sich fast ausschlieĂlich auf das Automobil. Zu Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts gab es hingegen noch eine ganze Literaturgattung, die sich mit Flanieren in den Städten auseinandersetzte. Mobilitätskultur war in den meisten Städten nicht entwickelt und kein Stadtmarketing-Bestandteil.
⢠Die Bedingungen fĂźr FuĂgänger waren häufig bescheiden. Häufig standen ihnen lediglich Restflächen zur VerfĂźgung. Viele breite Gehwege, z. B. des groĂzĂźgigen grĂźnderzeitlichen Städtebaus, wurden zum Parken oder fĂźr Radwege genutzt.
⢠Politische Entscheidungsträger und Planer nahmen FuĂverkehr häufig nicht als relevante Verkehrsart wahr.
Diese Entwicklungen setzten sich im 21. Jahrhundert teilweise fort, jedoch gab es auch gegenläufige Trends, die den RĂźckgang des FuĂverkehrs gebremst und teilweise umgekehrt haben:
⢠Urbanisierung und Verdichtung: Zahlreiche Städte verzeichnen wachsenden Einwohnerzahlen und hÜhere bauliche Dichten. Damit ist oft auch eine wachsende Zahl von Zielen zu Fuà räumlich und zeitlich erreichbar.
⢠Der Anteil älterer Menschen an der BevĂślkerung wächst. Mit hĂśherem Alter gewinnt der FuĂverkehr ein wachsendes Gewicht. So legten 2017 die 40- bis 50-jährigen 17 % ihrer Wege zu FuĂ zurĂźck, die 65- bis 75-jährigen 29 % ihrer Wege und die Ăźber 80-jährigen 34 % ihrer Wege.cite-ref-19[19]
⢠Städte verbessern die Bedingungen fĂźr den FuĂverkehr. So beteiligten sich ab 2016 zwĂślf Modellstädte am Projekt âKommunale FuĂverkehrsstrategienâ, initiiert vom Umweltbundesamt und umgesetzt vom Fachverband FuĂverkehr Deutschland FUSS e. V.cite-ref-20[20] Leipzig schuf als erste GroĂstadt in Deutschland die Stelle eines kommunalen Beauftragten fĂźr den FuĂverkehrcite-ref-21[21]. Der Senat von Berlin kĂźndigte fĂźr 2020 die Verabschiedung eines eigenen Abschnitts âFuĂverkehrâ im Mobilitätsgesetz des Landes an.
⢠FuĂgänger nehmen gute FuĂverkehrsbedingungen wahr. So bekundeten 2017 in den groĂstädtischen Metropolen 84 % der Befragten Zufriedenheit mit den Bedingungen des FuĂverkehrs, jedoch nur 71 % mit dem Ăśffentlichen Verkehr, 51 % mit dem Autoverkehr und 48 % mit dem Radverkehr.cite-ref-22[22] Motive zum Gehen sind sowohl individuell (z. B. Einfachheit, Kosten, Erlebnis, Gesundheit) als auch gesellschaftlich-Ăśkologisch (Stadtverträglichkeit, Umweltschonung, Klimaschutz).
⢠Der stationäre Einzelhandel lebt an vielen Standorten zum GroĂteil von Kunden, die zu FuĂ kommen. Die Zahl der FuĂgänger in einer StraĂe, die sogenannte Passantenfrequenz, ist ein wichtiger Indikator fĂźr den Marktwert als Einkaufsstandort.cite-ref-23[23] Internationale Studien zeigen, dass ein Teil der Händler bisher den Anteil des Umsatzes Ăźberschätzt, den sie mit im Auto gekommenen Kunden machen, und zugleich den Anteil der zu FuĂ gekommenen Kunden und ihrer Umsätze unterschätzen.cite-ref-24[24]
Unfallrisiken des FuĂgängers
FuĂgänger zählen â aufgrund der verhältnismäĂig geringeren Gesamtteilnahme â zwar nicht absolut, wohl aber relativ zu den Hochrisikogruppen im Ăśffentlichen Verkehr. So waren in Ăsterreich 2007cite-ref-kfv-2007-25-0[25] die FuĂgänger mit nur etwa 8 % an den Verletzten, aber mit Ăźber 15 % an den Verkehrstoten beteiligt.cite-ref-kfv-2007-25-26-0[26] Die Verletzungsgefahr und -schwere ist durchwegs extrem hoch: 93 % der an Unfällen beteiligten FuĂgänger wurden verletzt, ein Viertel (25,1 %) aller VerunglĂźckten schwerstverletzt oder getĂśtet (im Vergleich: gesamt: 59,2 % / 15,5 %; Pkw-Insassen: 52,4 % / 9,6 %; aber Motorrad 91,7 % / 34,7 %).cite-ref-kfv-2007-26-27-0[27] Unfälle von FuĂgängern sind vorrangig ein Problem des Ortsgebiets, wo 12 % aller Verletzten, aber 40 % aller GetĂśteten zu FuĂ unterwegs waren.cite-ref-kfv-2007-27f-28-0[28]
Nach einer Studie des Ăśsterreichischen Kuratoriums fĂźr Verkehrssicherheit von 2008cite-ref-29[29], die nicht die Verkehrsunfallstatistiken, sondern nachfolgende Gerichtsverfahren hinsichtlich der Frage der Verschuldung auswertet, zeigt sich aber, dass die Hauptschuld bei tĂśdlichen Verkehrsunfällen ungeschĂźtzter Verkehrsteilnehmer (also einschlieĂlich der Radfahrer) zu 50 % bei FuĂgängern (bzw. Radlenkern) liegt. FĂźr dieses durchaus unerwartete Ergebnis werden zwei GrĂźnde angefĂźhrt:
⢠Zum einen Unachtsamkeit durch Faktoren wie Stress oder Ăberforderung: Haupttodesursache ist das Queren der StraĂe abseits von Schutzwegen oder Ăbergängen; ein FĂźnftel aller tĂśdlichen Unfälle entsteht nach Ignorieren einer roten Ampel oder Missachtung des Vorrangs bevorrechtigter Verkehrsteilnehmer (in der Regel PKW).
⢠Zum anderen der hohe Prozentsatz an Alkoholisierung, der mit 10 % â bisherige Schätzungen lagen bei 6â7 % â an tĂśdlichen Unfällen (aller Verkehrsteilnehmer) Anteil hat: Auch bei Trunkenheit von FuĂgängern im StraĂenverkehr werten Gerichte das Eigenverschulden zu 100 %, unabhängig vom Verschulden der anderen Beteiligten.
Im deutschen Strafrecht wird bei Kindern unter 14 Jahren nach § 19 StGB wegen der nicht gegebenen Schuldfähigkeit statt Verschulder der wertungsfreie Begriff Verursacher verwendet, was strafrechtliche Konsequenzen auch fĂźr die anderen Unfallbeteiligten hat. Nach den jährlich verĂśffentlichten Erhebungen des Statistischen Bundesamtscite-ref-32[32] findet seit einigen Jahren in Deutschland eine Verschiebung des Unfallgeschehens mit Kindern in Richtung der Mitfahrerunfälle in Kraftfahrzeugen statt. Diese erreichten 2007 an den tĂśdlich verlaufenen Unfällen einen Anteil von 43 %cite-ref-33[33] und Ăźbertrafen damit sowohl die Radfahr- als auch die FuĂgängerunfälle. Im Jahre 2015 verunglĂźckten Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren immer noch am häufigsten in einem Auto (41,5 %). Von den getĂśteten Kindern verloren die meisten als Mitfahrer in einem Pkw ihr Leben (40,5 %).cite-ref-34[34] Dem Trend zu dem gefährlichen Kraftfahrzeugtransport (Stichwort âSchul-Rushhourâ) wird mit einer konsequenten FuĂgängererziehung und MaĂnahmen wie dem Karlsruher 12-Schritte-Programm und dem Erwerb des FuĂgängerdiploms seitens der Schulen entgegengearbeitet.cite-ref-35[35] Aufklärungsveranstaltungen vermitteln gleichzeitig den Eltern, dass ihre Kinder als geschulte selbstständige FuĂgänger im Verkehr nachweisbar besser geschĂźtzt sind als durch den Autotransport.cite-ref-36[36]
Siehe auch
:
FuĂgängersicherheit#Länder nach FuĂgängersicherheit
StraĂenverkehrsrechtliche Regelungen
Deutschland
In Deutschland finden sich die fĂźr FuĂgänger relevanten Vorschriften im § 25 der StraĂenverkehrs-Ordnung (StVO).cite-ref-37[37]
Benutzung der Gehwege
In § 25 Abs. 1 der StraĂenverkehrsordnung (StVO) ist die Gehwegbenutzung fĂźr FuĂgänger geregelt: âWer zu FuĂ geht, muss die Gehwege benutzen. Auf der Fahrbahn darf nur gegangen werden, wenn die StraĂe weder einen Gehweg noch einen Seitenstreifen hat.â Allerdings dĂźrfen sie andere FuĂgänger nicht durch sperrige Gegenstände oder das MitfĂźhren von Fahrzeugen behindern. Hierzu heiĂt es in Abs. 2: âWer zu FuĂ geht und Fahrzeuge oder sperrige Gegenstände mitfĂźhrt, muss die Fahrbahn benutzen, wenn auf dem Gehweg oder auf dem Seitenstreifen andere zu FuĂ Gehende erheblich behindert wĂźrden.â FuĂgänger dĂźrfen nicht auf Autobahnen und KraftfahrstraĂen gehen.
In der StVO oder anderen Gesetzen und Verordnungen gibt es keinerlei Regelungen fĂźr das Bewegen oder den Aufenthalt von FuĂgängern auf dem Gehweg, etwa Gebote zum Rechts- oder Linksgehen, zum Hintereinandergehen, zum Gewähren von Vorgang analog zur Vorfahrt auf der Fahrbahn, zum Richtungswechseln, zum Anhalten oder zur Geschwindigkeit.
Die Benutzung der Gehwege durch Fahrzeuge ist nicht erlaubt. Dies ergibt sich aus § 2 StVO: âFahrzeuge mĂźssen die Fahrbahn benutzenâŚâ. Kraftfahrzeugen ist laut § 12 StvO auch das Parken auf Gehwegen verboten, Fahrräder dĂźrfen jedoch auf Gehwegen abgestellt werden, wenn der Verkehr nicht behindert wird.cite-ref-38[38]
Eine Ausnahme gibt es fĂźr Kinder mit Fahrrädern. Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr mĂźssen, ältere Kinder bis zum vollendeten 10. Lebensjahr dĂźrfen mit Fahrrädern Gehwege benutzen. Jeweils eine Aufsichtsperson darf fĂźr die Dauer der Begleitung den Gehweg ebenfalls mit dem Fahrrad benutzen. Auf FuĂgänger ist dabei besondere RĂźcksicht zu nehmen.
Nicht als Fahrzeug bezeichnet werden âbesondere Fortbewegungsmittelâ (§ 24 StVO). Hierunter fallen Schiebe- und GreifrollstĂźhle, Rodelschlitten, Kinderwagen, Roller, Kinderfahrräder und ähnliche Fortbewegungsmittel wie Inline-Skater. Mit diesen muss man, wenn es nicht anders geregelt ist, die Gehwege benutzten.
An Kreuzungen und EinmĂźndungen
Generell haben FuĂgänger nach § 25 Abs. 3 StVO die Fahrbahnen unter Beachtung des Fahrzeugverkehrs zĂźgig auf kurzem Weg quer zur Fahrtrichtung zu Ăźberschreiten, und zwar, wenn die Verkehrslage es erfordert, nur an Kreuzungen oder EinmĂźndungen, an Lichtzeichenanlagen innerhalb von Markierungen oder auf FuĂgängerĂźberwegen (Zeichen 293). Wird die Fahrbahn an Kreuzungen oder EinmĂźndungen Ăźberquert, so sind dort angebrachte FuĂgängerĂźberwege oder Markierungen an Lichtzeichenanlagen (FuĂgängerfurt) stets zu benutzen. An Kreuzungen und EinmĂźndungen sind die Vorrangregelungen fĂźr FuĂgänger kompliziert, je nachdem, auf welchem Fahrbahnteil sie sich befinden und ob die Fahrzeuge abbiegen oder geradeaus fahren. In § 9 Abs. 3 StVO sind die Verhaltensvorschriften fĂźr Kraftfahrer beim Abbiegen festgehalten:
âWer abbiegen will, muss entgegenkommende Fahrzeuge durchfahren lassen, Schienenfahrzeuge, Fahrräder mit Hilfsmotor und Radfahrer auch dann, wenn sie auf oder neben der Fahrbahn in der gleichen Richtung fahren. Dies gilt auch gegenĂźber Linienomnibussen und sonstigen Fahrzeugen, die gekennzeichnete Sonderfahrstreifen benutzen. Auf FuĂgänger muss er besondere RĂźcksicht nehmen; wenn nĂśtig, muss er warten.â
GegenĂźber abbiegenden Fahrzeugen sind FuĂgänger somit immer bevorrechtigt. Dies gilt unabhängig davon, ob die Kreuzung oder EinmĂźndung mit Vorfahrtsschildern versehen ist oder nicht. GegenĂźber Fahrzeugen, die nicht abbiegen, sind die FuĂgänger nicht bevorrechtigt (siehe Abbildung). Sind an den Kreuzungen und EinmĂźndungen Lichtzeichenanlagen installiert, mĂźssen FuĂgänger die Ampelsignale beachten. Wechselt GrĂźn auf Rot, während FuĂgänger die Fahrbahn Ăźberschreiten, so haben sie ihren Weg zĂźgig fortzusetzen. FĂźr abbiegende Fahrzeuge gelten die oben in § 9 Abs. 3 StVO beschriebenen Verhaltensregelungen beim Abbiegen auch an Lichtsignalanlagen.
Besondere Beachtung erfordert der FuĂverkehr beim GrĂźnpfeil.
Ăsterreich
Laut Ăśsterreichischer StraĂenverkehrsordnung mĂźssen FuĂgänger den Gehsteig benutzen (§ 76 StVO). Fehlt dieser, mĂźssen sie am StraĂenbankett gehen; fehlt auch dieses, am äuĂersten Fahrbahnrand. Auf FreilandstraĂen haben sie dabei â auĂer im Fall der Unzumutbarkeit â den linken StraĂenrand zu benutzen. Dies gilt auch fĂźr Personen, die Kinderwagen oder RollstĂźhle ziehen. Lastenträger jedoch dĂźrfen Gehsteige und StraĂenbankette nur dann benutzen, wenn sie den FuĂgängerverkehr dadurch nicht ĂźbermäĂig behindern. Im Ortsgebiet in der Nähe von Baustellen, landwirtschaftlichen Betrieben oder Gärten dĂźrfen Gehsteige aber auch mit Schubkarren in Längsrichtung befahren werden.
Nach (§ 78 StVO) sind nicht nur Behinderungen durch Programmverteilung, Tragen von Reklametafeln, Mitfßhren von Tieren und ähnlichem verboten, sondern auch durch unbegrßndetes Stehenbleiben.
FuĂgänger, die die StraĂen Ăźberqueren wollen, mĂźssen vorhandene Schutzwege oder Ăber- bzw. UnterfĂźhrungen verwenden. Nur wenn diese fehlen oder mehr als 25 Meter entfernt liegen, darf die StraĂe auch an anderen Stellen Ăźberquert werden; im Ortsgebiet aber nur, wenn die Verkehrslage ein sicheres Ăberqueren âzweifellos zulässtâ. Generell ist dabei der kĂźrzeste Weg und eine âangemessene Eileâ zu wählen.
Schweiz
Siehe auch
:
Fussgängerstreifen
Vereinigtes KĂśnigreich
In GroĂbritannien regeln die Regeln 1 bis 33 des Highway Codes das Verhalten der FuĂgänger im StraĂenverkehr. Diese sind aber auf Basis des angloamerikanischen Rechtsverständnisses eher als Ratschläge zu verstehen. Dies gilt allerdings nicht fĂźr folgende Punkte:
⢠FuĂgänger dĂźrfen nicht auf Autobahnen und rutschigen StraĂen gehen, es sei denn, es handelt sich um eine Ausnahmesituation (Laws RTRA sect 17, MT(E&W)R 1982 as amended & MT(S)R regs 2 &13);
⢠FuĂgänger dĂźrfen nicht auf fahrende Autos springen oder sich an fahrenden Autos festhalten (Law RTRA 1988 sect 26);
⢠FuĂgänger dĂźrfen an Zebrastreifen und sogenannten Pelican oder Puffin Crossings nicht bummeln (Laws ZPPPCRGD reg 19 & RTRA sect 25(5)).
StraĂenbaurichtlinien
Im Jahr 2002 wurden in Deutschland von der Forschungsgesellschaft fĂźr StraĂen- und Verkehrswesen (FGSV) die Empfehlungen fĂźr FuĂgängerverkehrsanlagen â EFA 2002cite-ref-39[39] herausgegeben. In Ăsterreich wurde von der Forschungsgemeinschaft StraĂe und Verkehr im August 2004 das Merkblatt RVS 3.12 â FuĂgängerverkehrcite-ref-40[40] herausgegeben.
Wege fĂźr FuĂgänger
Die Einrichtung der Verkehrswege fĂźr den FuĂgänger unterliegt der Verkehrsplanung, fĂźr den FuĂgeher der Raumplanung. Die Wege fĂźr FuĂgänger innerorts lassen sich folgendermaĂen einteilen:
⢠FuĂgängerbereiche (FuĂgängerzone) in StraĂen und auf Plätzen
⢠straĂenbegleitende Gehwege
⢠Gemischte Geh- und Radwege
Weitere Einrichtungen fĂźr den FuĂverkehr auf Ăśffentlichen StraĂen sind FuĂgängerfurt, FuĂgängerĂźberweg sowie die in der Schweiz sehr erfolgreiche und seit Kurzem auch in Deutschland und Ăsterreich in der Erprobung befindliche Begegnungszone.
Sicherheitsrichtlinien auĂerhalb des Ăśffentlichen Verkehrs
Bei Ăśffentlichen GroĂveranstaltungen und der Evakuierung grĂśĂerer Gebäude kĂśnnen sich hohe Personendichten von bis zu zehn Personen pro Quadratmeter ergeben. Die Dynamik und die kollektiven und emergenten Phänomene zu verstehen, die sich ab einer Person pro Quadratmeter durch die wechselseitige Beeinflussung der Personen ergeben, ist von entscheidender Bedeutung fĂźr die Notfall-Sicherheit solcher Orte. Durch die korrekte BerĂźcksichtigung solcher Phänomene in Evakuierungssimulationen versucht man heute, die Sicherheit beliebig komplexer und beliebig groĂer Baustrukturen bereits während der Planungsphase sicherzustellen.
FuĂverkehrinitiativen
FUSS e. V. Fachverband FuĂverkehr Deutschland
In Deutschland vertritt seit 1985 der Fachverband FuĂverkehr Deutschland Fuss e. V. die Interessen der Gehenden.cite-ref-41[41]
Fussverkehr Schweiz
In der Schweiz gibt es seit 1972 den Fussgängerverband Fussverkehr Schweiz.cite-ref-42[42] Er unterstĂźtzt Bund und Kantone bei der Umsetzung des Schweizerischen Fuss- und Wanderwegegesetzes. Auch setzt er sich fĂźr innovative fuĂgängerfreundliche Verkehrsgestaltung, zum Beispiel durch die Schaffung von Begegnungszonen ein.
Durch den Verband wird in regelmäĂigen Abständen der Fusspreiscite-ref-43[43] ausgeschrieben, der Projekte prämiert, welche die Situation von FuĂgängern im StraĂenverkehr verbessern. Hierbei handelt es sich um eine offene Ausschreibung, was bedeutet, dass Fachleute aus sämtlichen Kantonen daran teilnehmen kĂśnnen. Bei der letzten Preisverleihung erhielt Grenchen den Preis als fuĂgängerfreundlichste Stadt der Schweiz.
Walk-space.at â Der Ăśsterreichische Verein fĂźr FuĂgängerInnen
Walk-space.at ist ein unabhängiger Ăśsterreichischer Verein, der die âInteressen der FuĂgängerInnenâcite-ref-44[44] vertritt. Jährlich organisiert der Verein Fachkonferenzen an verschiedenen Orten in Ăsterreich.
Aktionen und Initiativen
Ende der 1980er Jahre erfand der MĂźnchener Michael Hartmanncite-ref-45[45] das Carwalking,cite-ref-46[46] das Gehen Ăźber auf BĂźrgersteigen geparkte Autos, ohne diese zu beschädigen. Durch Streetwalking â Gehen auf der StraĂe, ohne den Vorrang von Autos anzuerkennen â versuchte er den StraĂenverkehr wieder an die BedĂźrfnisse und Geschwindigkeiten von FuĂgängern anzupassen. Hartmann verbreitete seine Ideen auch in Verkehrsseminaren und einem Buch. VorĂźbergehend erlangten seine direkten Aktionen gegen den Autoverkehr eine gewisse mediale Aufmerksamkeitcite-ref-47[47] und fanden auch vereinzelte Nachahmer. Sie brachten ihm aber auch Krankenhausaufenthalte und Einweisungen in psychiatrische Einrichtungen ein. In Gerichtsverhandlungen konnte er meist FreisprĂźche erreichen.cite-ref-48[48]cite-ref-49[49] Nach Hartmanns Umzug ins Ausland schlief die Carwalking-Szene ein.
Die Aktion Laufbus oder Gehbus soll dazu dienen, das FuĂgehen der Schulkinder zu fĂśrdern, damit sie im Alltag ausreichend Bewegung bekommen und lernen, ihre Wege selbstständig und umweltfreundlich zurĂźckzulegen.cite-ref-50[50]
Zur Sicherung des besonders gefährdeten Schulanfängers auf seinen ersten eigenverantwortlichen FuĂgängen zur Schule wurden von der Verkehrspädagogik Initiativen wie der Schulwegplan oder das Schulwegspiel geschaffen, an deren Erarbeitung die Kinder selbst beteiligt werden. Städte und Gemeinden stellen auĂerdem zunehmend Kinderstadtpläne zur VerfĂźgung, die Kindern die Orientierung in ihrem Stadtteil erleichtern.
Im Oktober 2018 hat das Umweltbundesamt (UBA) die ersten GrundzĂźge einer bundesweit geplanten FuĂverkehrsstrategie vorgestellt. Durch die Offensive soll sich unter anderem die Zahl der FuĂwege bis 2030 um die Hälfte erhĂśhen, der FuĂverkehr insgesamt sicherer und barrierefrei werden sowie die Aufenthaltsqualität fĂźr FuĂgänger steigern. Im Rahmen der Strategie kĂśnnten beispielsweise folgende MaĂnahmen umgesetzt werden (Vorschläge des UBA): EinfĂźhrung der Regelgeschwindigkeit Tempo 30 innerorts, ErhĂśhung der BuĂgelder fĂźr fuĂgängerfeindliches Verhalten oder die Verankerung der fuĂläufigen Erreichbarkeit im Planungsrecht.cite-ref-51[51]
Literatur
⢠Jennifer Bartl: Gehen. Eine Untersuchung zum Gehen als Aneignung des urbanen Raumes. Diplomarbeit, TU Wien 2007 (Volltext).
⢠Dirk Bräuer, Werner Draeger, Andrea Dittrich-Wesbuer: FuĂverkehr â Eine Planungshilfe fĂźr die Praxis. Institut fĂźr Landes- und Stadtentwicklungsforschung â Baustein 24, Dortmund 2001, ISBN 3-8176-9024-X.
⢠Dirk Bräuer, Andreas Schmitz: Grundlagen der FuĂverkehrsplanung. In: Handbuch der kommunalen Verkehrsplanung. Heidelberg 2004, ISBN 3-87907-400-3.
⢠Andrea Dittrich-Wesbuer, Erhard Erl: Zu FuĂ unterwegs â Wissenswertes und WĂźnschenswertes zu einem unterschätzten Verkehrsmittel. In: Handbuch der kommunalen Verkehrsplanung. Heidelberg 2003, ISBN 3-87907-400-3.
⢠John J. Fruin: Pedestrian Planning and Design. Metropolitan Association of Urban Designers and Environmental Planners. New York 1971. 206 S.
⢠Sebastian Haffner: Das Leben der FuĂgänger. Feuilletons 1933â1938, MĂźnchen 2004.
⢠Institut fĂźr Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen â ILS (Hrsg.): Zu FuĂ mobil. Dortmund 2000, ISBN 3-8176-6158-4.
⢠Johann-GĂźnther KĂśnig: Zu FuĂ. Eine Geschichte des Gehens. Reclam, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-15-020297-5.
⢠Rita Pfeiffer: Wir GEHEN zur Schule. Wien 2007.
⢠Angelika Schlansky, Roland Hasenstab, Bernd Herzog-Schlagk: Gehen bewegt die Stadt â Nutzen des FuĂverkehrs fĂźr die urbane Entwicklung. Berlin 2004, ISBN 3-922504-42-6.
⢠Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 2016. Kinderunfälle im StraĂenverkehr 2015, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-8246-1049-5 (Reihe 7: Verkehrsunfälle/Jahresergebnisse).
⢠Siegbert A. Warwitz: Das FuĂgängerdiplom. In: Ders. Verkehrserziehung vom Kinde aus. 6. Auflage, Baltmannsweiler 2009, S. 221â251, ISBN 978-3-8340-0563-2.
⢠Wolfgang Wehap: Gehkultur â Mobilität und Fortschritt aus fuĂläufiger Sicht seit der Industrialisierung. Frankfurt 1997.
⢠Ulrich Weidmann: Transporttechnik der FuĂgänger. Schriftenreihe des IVT Nr. 90, 2. Auflage, ETH ZĂźrich, ZĂźrich März 1993 [1].
Medien
⢠Unser Schicksal als FuĂgänger, SWR2-Forum, 22. August 2007: Gespräch zwischen Matthias Hahn (BaubĂźrgermeister Stuttgart), Felicitas Hoppe (Schriftstellerin und FuĂgängerin in Berlin-Mitte) und Heiner Monheim (deutscher Verkehrswissenschaftler, Geograph, emeritierter Professor der Universität Trier)cite-ref-52[52]
Weblinks
Commons
: FuĂverkehr
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: FuĂgänger
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⢠Literatur von und Ăźber FuĂverkehr im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Umweltbundesamt: FuĂverkehr, aufgerufen am 29. August 2018
⢠fussverkehrsstrategie.de, aufgerufen am 29. August 2018
⢠fussverkehr.de: Arbeitsgruppe FuĂverkehr von SRL und FUSS e. V., 2009, pdf, aufgerufen am 29. August 2018
⢠nach-rom-zu-fuss.de, Vom Gehen: Journalistische Texte Ăźber das Zu-FuĂ-Gehen
Einzelnachweise
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cite-note-33. â W. Wehap: Gehkultur â Mobilität und Fortschritt aus fuĂläufiger Sicht seit der Industrialisierung. Frankfurt 1997
cite-note-44. â Siegbert A. Warwitz: Verkehrserziehung vom Kinde aus. Baltmannsweiler 6. Auflage 2009. S. 51â56
cite-note-55. â Siegbert A. Warwitz: Verkehrserziehung vom Kinde aus. Baltmannsweiler 6. Auflage 2009. S. 190â221
cite-note-66. â Josef StĂźbben: Der Städtebau. Leipzig 1924
cite-note-77. â Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise. KĂśln 1998, S. 208
cite-note-81. Wegeordnung fĂźr die Provinz WestpreuĂen vom 27. September 1905. In: Gesetz-Sammlung fĂźr die KĂśniglich-PreuĂischen Staaten, Bd. VII, 1900â1906, S. 682
cite-note-99. â Michael Freiherr von Pidoll: Der heutige Automobilismus. Ein Protest und Weckruf. Wien 1912, S. 1
cite-note-1010. â Otto Julius Bierbaum: Eine empfindsame Reise im Automobil. Von Berlin nach Sorrent und zurĂźck an den Rhein. Berlin 1903
cite-note-1111. â zitiert nach: Wolfgang Sachs: Die Liebe zum Automobil. Ein RĂźckblick in die Geschichte unserer WĂźnsche. Reinbek 1984
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cite-note-1515. â Thomas Beier: Ein Erdrutsch-Sieg fĂźr die FuĂgänger. In: ThĂźringer Landeszeitung. 17. April 2025, S. 13.
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cite-note-kfv-2007-26-2727. â FuĂgänger: Unfallbeteiligte: 4504; VerunglĂźckte: 4309, Verletzte (gesamt): 4201, davon Schwerverletzte: 972; nach KfV 2007, S. 26 Verletzungsschwere nach Verkehrsbeteiligung
cite-note-kfv-2007-27f-2828. â KfV 2007, S. 27 Verletzte im Ortsgebiet und Freiland, S. 28 GetĂśtete im Ortsgebiet und Freiland
cite-note-2929. â Fritz Pessl: FuĂgänger als grĂśĂtes Risiko. In: Salzburger Nachrichten. 14. August 2008, S. 5.
cite-note-kfv-2007-32-3030. â 5-9: 321, 10-14: 419, 15-19: 414, zusammen: 1154; nach KfV 2007, S. 32 Verletzte FuĂgänger nach Altersgruppen und Geschlecht
cite-note-kfv-2007-33-3131. â KfV 2007, S. 33 GetĂśtete FuĂgänger nach Altersgruppen und Geschlecht
cite-note-3232. â Statistisches Bundesamt (Hrsg.)(2009): Verkehrsunfälle. Kinderunfälle im StraĂenverkehr 2008. Wiesbaden
cite-note-3333. â Statistisches Bundesamt (Hrsg.)(2008): Verkehrsunfälle. Kinderunfälle im StraĂenverkehr 2007. S. 4
cite-note-3434. â Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 2016. Kinderunfälle im StraĂenverkehr 2015, Wiesbaden 2016, S. 8)
cite-note-3535. â Siegbert A. Warwitz: Das FuĂgängerdiplom. In: Ders. Verkehrserziehung vom Kinde aus. 6. Auflage, Baltmannsweiler 2009, S. 221â251
cite-note-3636. â Rita Pfeiffer: Wir GEHEN zur Schule. Wien 2007
cite-note-3737. â Verwaltungsvorschrift zur StraĂenverkehrsordnung
cite-note-3838. â Urteil vom OVG Niedersachsen; Abstellen von Fahrrädern auf einem Bahnhofsvorplatz (Memento des Originals vom 22. Januar 2020 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂźft. Bitte prĂźfe Original- und Archivlink gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dbovg.niedersachsen.de
cite-note-3939. â Forschungsgesellschaft fĂźr StraĂen- und Verkehrswesen â FGSV: Empfehlungen fĂźr FuĂgängerverkehrsanlagen â EFA 2002. KĂśln 2002
cite-note-4040. â Forschungsgemeinschaft StraĂe und Verkehr: Merkblatt RVS 3.12 FuĂgängerverkehr. Wien 2004
cite-note-4141. â Fuss e. V.
cite-note-4242. â Fussverkehr Schweiz
cite-note-4343. â Verband Fusspreis
cite-note-4444. â Walk-space.at
cite-note-4545. â Michael Hartmann: Der AutoGeher. AutoBiografie eines AutoGegners. ISBN 3-928300-81-4
cite-note-4646. â Carwalking: Beschreibung
cite-note-4747. â BGH-UrteilsverkĂźndung in den Tagesthemen vom 31. August 1995
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cite-note-4949. â Urteil des Landgerichts Berlin vom 1. April 1997
cite-note-5151. â FuĂverkehr stärken, Umwelt schonen, Städte lebenswert machen. umweltbundesamt.de, abgerufen am 16. Oktober 2018.
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